Schlagschach-Memorabilien
Teil 2

Im Jahre 1997 schuf der der gebürtige Russe Stan Goldovski, der im rheinischen Köln lebte, die erste Website zum Thema Schlagschach. Durch seinen tragisch frühen Tod verwaiste die nicht ganz fertig gestellte Homepage, inzwischen existiert ein online-Backup unter http://poincare.matf.bg.ac.rs/....

John Beasley schrieb einen kurzen Nachruf auf Stan Goldovski in Variant Chess (issue 31, Spring 1999, p39): Nachruf - die dort erwähnte Partie des Giveaway Wizard gegen eine Auswahl von 6 Schlagschachspielern finden Sie in Variant Chess 30, Winter 1998, S. 20-21).



Die Zeitschrift "Variant Chess"


Diese Zeitschrift ("the journal of the British Chess Variants Society", Untertitel: "The magazine to broaden your chess horizons"), die 1990 gegründet wurde, hat sich ab 1993 auch vermehrt dem Schlagschach gewidmet und damit maßgeblich zum Aufschwung dieser populären Schach-Variante ab Mitte der 90er Jahre beigetragen. Bis etwa Ende 2000 ist eine deutliche Zunahme der Studien-Produktion festzustellen (vor allem durch Fabrice Liardet und John Beasley), nach Erscheinen meines Schlagschach-Buches und John Beasley's Bibliographie wurden Publikationen auf dem Gebiet Kunstschach in VC allerdings immer seltener. Die Berichterstattung über Schlagschach-Turnierereignisse (z. B. die erste inoffizielle Weltmeisterschaft in Utrecht 2001) sowie die Weiterentwicklung elektronischer Endspiel-Datenbanken wurde aber fortgesetzt. Mit Heft 64 (August 2010) erschien die letzte Ausgabe der Zeitschrift, für deren weitere Produktion keine redaktionelle Nachfolge gefunden werden konnte.
Aus Variant Chess 10, IV-VI 1993, sei hier die erste Seite eines Artikels von Peter C. Wood vorgestellt, der mit einer Zusammenfassung der Schlagschach-Geschichte beginnt: "Vinciperdi"
Alle 64 Ausgaben des Variant Chess magazine (1990-2010) gibt es als PDFs zum Download auf www.mayhematics.com/v/v.htm.



Ein bizarres Schlagschach-Retro


Diese Aufgabe ist nicht in meinem Schlagschach-Buch enthalten. Sie war seinerzeit Gegenstand eines Preisausschreibens in feenschach (fs 51, VII-IX 1980, S. 416; feenschach-preisrätsel No. 6), fand aber über Jahre hinweg keinen Löser. Schließlich wurde die Lösung doch veröffentlicht in fs 93, XI-XII 1989 (S. 213), d. h. erst 9 Jahre später! Dies ist auch der Grund, weshalb ich dieses Problem von Werner Frangen nicht aufgenommen hatte, ich war auf der Suche nach der Lösung, die ich in einem der nachfolgenden fs-Hefte erwartet hatte, einfach nicht fündig geworden.
Die Problemforderung lautet:
Schlagschach: welches ist die kürzeste Beweispartie (kBP), die aus der Partieanfangsstellung (PAS) zu einer Stellung führt, die 18 Damen (16 durch B-Umwandlung) hat?!

Nachstehend die Lösung einschließlich der grotesken Schlußstellung:

1.g3 b6 2.h4 a5 3.Sf3 Sc6 4.Lg2 Lb7 5.Kf1 Ta6 6.Kg1 Da8 7.Kh2 Kd8 8.Kh3 Kc8 9.Dg1 Kb8 10.Sc3 Sf6 11.Sd1 Se8 12.Se3 Lc8 13.Kg4 Da7 14.Kg5 Sd8 15.h5 a4 16.Sh2 Se6 17.b4! Sxg5 (Jetzt muß wTa1 nach g2 gehen!) 18.La3 Se6 19.Sf3 Kb7 20.Th3 Kc6 21.Lh1 Lb7 22.Dg2 La8 23.Tg1 Db8 24.Df1 (Tg8) 25.Tg2 (Th8) 26.Sg1 (Tg8) 27.Sd1 (Th8) 28.Lc1 Kd5 29.b5 g5 30.bxa6 Sd6 (jetzt Th8 nach c8!) 31.(De1) Lh6 32.(Df1) c6 33.(De1) Tc8 34.(Df1) Dc7 35.(De1) Dd8 36.(Df1) Sf8 37.Lb2 Ke6 38.Ld4 b5 39.La7 Lg7 40.Se3 Lb2 41.Sd1 La3 42.(De1) Ke5 43.(Df1) Se8 44.(De1) Ld6 45.(Df1) b4 46.Sb2 a3 47.c4! axb2 48.(Dd1) Lc7 49.De1 Kd6 50.Sf3 g4 51.a4! gxh3 52.Tg1 b3 53.g4 Ke6 54.Le3 Ld6 55.(Tf1) La3 56.(Tg1) Kd6 57.Lh6 Se6 58.(Tf1) Tb8 59.a7 Tb6 60.(Tg1) S6c7 61.(Tf1) Sa6 62.(Tg1) Ke6 63.Lf4 Sb4 64.g5 Sg7 65.h6 f5! 66.hxg7 De8 67.c5 h5! 68.cxb6 Kd5 69.a5 Sa2 70.a6 c5 71.Le3 c4 72.(Tf1) d6 73.(Tg1) Lc6 74.(Tf1) La4 75.b7 Dd8 76.g6 Ke6 77.(Tg1) Kd7 78.Sg5 h2 79.Tg3 Ke8 80.Sh3 Ld7 81.f3 Le6 82.Lh6 Lg8 83.Sg5 (Kd7) 84.Df1 f4 85.d4! fxg3 86.e3 c3 87.Sh3 c2 88.(Lg2) Sc3 89.(Lh1) Sa4 90.Lg2 h4 91.e4 (Ke8) 92.Ld2 (Kd7) 93.De2 Ke8 94.Sf4 b1=D 95.Sd3 (Da2) 96.De3 (Db1) 97.Lh3 (Da2) 98.Lg4 (Db1) 99.Lh5 (Da2) 100.Dh6 (Db1) [Diagramm I] 101.Sf4 (Da2) 102.Le3 Lb4 103.(Sh3) La5 104.(Sf4) Lc7 105.Sd3 Dd7 106.(Ld2) Dh3 107.(Le3) Le6 108.a8=D Kd7 109.Da8-h8 (Db1) 110.Dh8-h7 Ke8 111.a7 Lc4 112.Sf4 Dd7 113.(Ld2) Dd8 114.Sh3 Dd7 115.Sg5 Sb2 116.(Le3) Sd3 117.(Ld2) b2 118.(Le3) Sb4 119.(Ld2) Sa6 120.(Le3) Da4 121.(Sh3) Daa1 122.(Sg5) La5 123.(Sh3) Lb4 124.(Sg5) La3 125.Sh3 Sb4 126.Ld2 Sa2 127.La5 Kd7 128.a8=D (Lb5) 129.Dah8 (Lc4) 130.Lb6 Sb4 131.(Sg5) Sa6 132.(Sh3) Lb4 133.De3 (Lb5) 134.D7h6 (Lc4) 135.D8h7 Ke8 136.(Sg5) Sb8 137.(Sh3) Lf1 138.Sg5 Sc6 139.d5 e5! 140.dxc6 Lb5 141.c7 La4 142.Sh3 Ke7 143.Dh8 Ke6 144.Dh6-h7 (Lb5) 145.De3-h6 Kf5 146.exf5 La3 147.La5 (La4) 148.Sg5 (Lb5) 149.Se6 (La4) 150.Sd4 exd4 [Diagramm II] 151.f6 d3 152.f7 d5 153.f4 d4 154.f5 g2 155.Dh7-g8 Le7 156.Dh6-h7 Lg5 157.Dg8-f8 g1=D 158.Lb4 Lc6 159.b8=D Lg2 160.Db8-c8 Le3 161.f6 Dg1-c1 162.Le7 h1=D 163.Df8-e8 Dc1-d2 164.Dh8-f8 Db1-e1 165.g8=D b1=D 166.Dh7-g7 Db1-c1 167.Dc8-b8 h3 168.Lg4 h2 169.Le6 Dh1-g1 170.Ld6 h1=D 171.De8-c8 Dd2-e2 172.Df8-d8 d2 173.Dg8-e8 d1=D 174.f8=D De1-d2 175.Dg7-e7 Dg1-e1 176.g7 Le4 177.g8=D d3 178.f7 Ld4 179.De8-d7 Dd2-e3 180.Df8-e8 d2 181.f8=D De2-d3 182.De8-f7 Dd1-e2 183.Dd8-e8 d1=D 184.Dc8-d8 Dc1-d2 185.c8=D c1=D [Schlußstellung = Diagramm III]

Günter Lauinger schrieb als Prüfer dazu: "Ich habe die BP und die Diagramme auf Plausibilität geprüft. Aber wer soll prüfen, ob dies tatsächlich die kBP ist? Angesichts der vielen Wartezüge könnte durchaus noch eine Verkürzung möglich sein. Das Irre an der Sache ist aber, daß die Stellung überhaupt erspielbar ist. M. E. noch um einiges schwieriger als Nr. 2875 in der Schwalbe. Ich schlage daher vor, die Löser, welche unter 200 Züge bleiben, in die (Trost-)Preisverlosung miteinzubeziehen. Eine Fragestellung ohne Diagramm (einfach: 18 DD im Schlagschach in 185,0 Zügen) läßt zwar die Löser ausflippen, macht aber die ganze Geschichte noch unübersichtlicher, weil es wohl mehrere erspielbare Stellungen mit 18 DD (= Gruppensex!!) + 4 LL gibt. Beispiel siehe Diagramm!"


Diagramm I

Diagramm 1
Diagramm II

Diagramm 2


Diagramm III
Schlußstellung


Diagramm 3


GL: alternative
Schlußstellung


alternative Schlußstellung

 


Dawson's Chess

Für die Freunde der Schachmathematik: Die Schlagschachaufgabe von T.R. Dawson - auf S. 99f. meines Schlagschachbuchs - ist weiter analysiert worden von Thomas S. Ferguson, sein diesbezüglicher kurzer Artikel A Note on Dawson's Chess (PDF) sei hiermit ergänzt.

 

Losing Chess in proof games

Seit Mitte der 1980er Jahre rücken Schlagschach-Retros - insbesondere Beweispartien - immer mehr in den Vordergrund, im neuen Jahrtausend dominieren sie völlig das Gebiet der Schlagschach-Komposition. Einen Überblick haben Bernd Gräfrath und Paul Rãican in einer Artikelserie "Losing Chess in proof games" gegeben, veröffentlicht in Quartz 35 (August 2010):

A) "Some basic themes" by Bernd Gräfrath, p. 585-588;
B) "The Eighties in Losing Chess" by Paul Rãican, p. 589-593;
C) "Thematic tournament Qui perd gagne" by Paul Rãican, p. 594-595.

Die Artikel sind als PDFs verfügbar auf quartz.chessproblems.ca/.

 





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